CAE im Dornröschenschlaf...

Am 1. Oktober 2001 besuchten wir das ehemalige Fort Victoria in Werl, die Heimat von Radio CAE. Unser Teamkollege Manfred Schmitt berichtet...

Welchem langjährigen CAE-Hörer dieser Sender so sehr ans Herz gewachsen war wie mir, der wird den Wunsch verstehen, heute noch mal den Ort zu besuchen „where it all happened" – Fort Victoria und die ehemaligen CAE-Studios. Als die notwendige amtliche Genehmigung zur Besichtigung des stillgelegten Camps vorlag, bedurfte es keiner besonderen Überredungskünste, um Helmuth Euler, Herausgeber von neun Fotobänden über Werl und Kenner der ehemaligen „Kanadaszene", sowie Robert Schad, den ehemaligen Verbindungsbeamten der Stadt Werl zur kanadischen Armee, als Sachkundige für unsere kleine Expedition zu gewinnen. Mit Fotoapparaten aller Kaliber bewaffnet rückten wir erwartungsvoll ins Camp ein.

 

Reveille KircheGleich hinter der Wache steht auch heute noch eines der Wahrzeichen des Camps, das laut Herrn Schad als „Reveille"-Kirche bezeichnet wurde, deutlich vom Verfall gekennzeichnet. Unweit davon entdeckten wir schon halb von der Natur zurückerobert unser „Objekt der Begierde": das Sendegebäude von Radio Canadian Army Europe.

Die Briten, die das Camp nach Abzug der Kanadier weiter genutzt haben, hatten zwar neue Fenster eingebaut und das Schild über der Eingangstür entfernt, aber für uns war es auf Anhieb identifizierbar.

Hier also war sie betrieben worden: die Informationsquelle für die ca. 16.000 kanadischen Soldaten, die bis 1970 in und um Werl, Soest, Lippstadt, Hemer und Iserlohn stationiert waren. Und ein Born angloamerikanischer und Western-Musik in der diesbezüglich musikalischen Wüste deutscher Radiostationen in den 60ern.

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SendegebäudeIn den wenigen Räumen dieses kleinen Gebäudes wurde das produziert, was unsere Augen damals glänzend machte! Unser Team teilte sich auf, jeder versuchte eine möglichst günstige Aufnahmeposition zu finden – und dann klickten die Kameras. Durch die Fenster des Gebäudes zu erkennen: alle Räume sind sauber, leer und still, die Technik ausgebaut und vielleicht an anderen Orten noch in Betrieb. Kaum zu glauben, dass hier vor 31 Jahren die letzte Sendung stattfand. Es scheint, als schliefe das kleine Funkhaus und warte nur auf einen, der es wieder zum Leben erweckt. Der hintere neue Gebäudeteil ist heute mit Telekom-Technik vollgestopft; von dort aus werden zwei weithin sichtbare neue Fernmeldetürme mit Leistung versorgt. In der Nähe ihrer jetzigen Standorte muss auch der auf alten Fotos erkennbare CAE-Sendemast gestanden haben.

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SperrgebietSicherlich hätten sich auch gern der frühere Programmdirektor Ted Wood, der uns hoffentlich bald aus Kanada besuchen wird, oder der ehemalige Techniker „Texas" Heinz Gunnesson, den wir erst vor kurzem in Köln interviewen durften, zu uns gesellt, als wir das Gebäude und seine Umgebung aus allen Winkeln erkundeten und zu erfassen suchten. Denn wie wir erfuhren, sind seine Tage leider tatsächlich bald gezählt: die Stadt Werl beabsichtigt, das Camp zu schleifen und das Areal wieder zu dem zurück zu wandeln, was es einmal war: der Stadtwald.

Als wir mit vielen Eindrücken bereichert schließlich das Gelände wieder verließen, entstand nach einem letzten Blick zurück auf Radio CAE dieser Schnappschuss, der daran erinnert, dass alles, was wir gesehen hatten, zu seiner Zeit als militärische Anlage nicht hätte fotografiert werden dürfen. Vielleicht wären wir damals in diesem Falle in einer der Zellen neben der Wache gelandet, die wir soeben noch gesehen hatten....

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Nachdem wir uns von Herrn Euler und Herrn Schad, die uns viele interessante Hinweise geben konnten, dankend verabschiedeten, besuchten wir nachmittags dann noch das Rathaus in Werl. Dort erwartete uns verabredungsgemäß Heinrich Deisting, der Leiter des Stadtarchivs, um uns freundlicherweise Akteneinsicht zu gewähren. So sichteten wir die bis zu deren Abzug in 1970 über die kanadische Armee archivierten Unterlagen. Für die Überlassung von Kopien der uns interessierenden Zeitungsartikel sind wir Herrn Deisting sehr dankbar; einige davon werden wir in kommenden Aktualisierungen dieser WebSite vorstellen!

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Klar, haben wir gemacht – das CAE-Team weiß doch, was sich gehört...

 

Manfred SchmittUnser Teamkollege Manfred Schmitt verfaßte diesen Bericht am 23. Oktober 2001

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