Louie The Bear

„Our technician is Louie The Bear Ruhs" - so hörte man es von 1961 bis 1970 fast täglich auf Radio CAE. Ludwig „Louie" Ruhs war wie "Texas" Heinz Gunnesson, Heinz Strauch und Friedhelm Ostermann einer der deutschen Techniker der Station.
 

Zuständig für Bandmaschinen, Plattenspieler und tausend andere Sachen, kümmerte er sich auch ganz besonders auch um die Kanadier selbst. Ob ein Ausflug in die Umgebung oder zu kulturellen Attraktionen, eine Tour durch die Bars der größeren Städte oder zu einem Fußballspiel - "The Bear" hatte immer Zeit und Platz für alle in seinem Auto. Den Spitznamen gaben ihm die Soldiers, weil er ungemein stark und sportlich so manchen von ihnen an die Wand spielte, wie z.B. DJ Larry Harding, mit dem er einmal den Möhnesee durchschwamm. Larry gab auf der Hälfte auf und kletterte in ein Boot, "Louie The Bear" schaffte es spielend bis zum anderen Ufer.

Als lebendes Lexikon des Senders erinnert sich Louie an viele Mitarbeiter und ihre Posten. Stolz präsentiert er noch heute seinen CAE-Dienstausweis und besitzt eine große Sammlung von Korrespondenz aus den letzten 30 Jahren mit ehemaligen Angehörigen der Station.

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Ruhs beschreibt die Zusammenarbeit im Team als überaus angenehm und familiär. So wurde zum Beispiel morgens der Sender von Frau Haupthoff vorgeheizt, damit der Betrieb pünktlich aufgenommen werden konnte, bevor sie dann mitunter den diensthabenden Ansager der ersten Sendung ("Dawn Patrol") aus dem Bett schütteln musste. Selbstverständlich waren alle per Du, und gemeinsame Unternehmungen während der Freizeit gehörten zum Alltag. Ein schönes Andenken ist auch seine Medaille vom "Keechee Pimpatawin", eine Art kanadischer Wandertag, der einmal jährlich von Werl aus über die Berge nach Hemer und zurück führte. Einige der Teilnehmer gaben meist auf den letzten paar Kilometern auf und riefen ein Taxi. "The Bear" und andere durchtrainierte Jungs schafften die Strecke jedoch stets komplett, wobei eine Wegzehrung aus gehaltvollen Flaschen mitunter eine nicht unwichtige Rolle spielte.

Gelegentlich wurde Radio CAE von Teams der "großen Brüder" WDR und ZDF besucht. Aufgrund der sprichwörtlichen Gastfreundschaft der Kanadier nahmen sich die Kollegen der Öffentlich-Rechtlichen für ihre Berichterstattung gern etwas mehr Zeit, was dem Ansehen der kanadischen Armee in der deutschen Öffentlichkeit natürlich sehr diente.

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Ludwig Ruhs wohnt heute mit seiner Frau Anneliese am südlichen Stadtrand von Werl, genau zwischen dem Städtchen und dem Höhenzug des Haarstrang. Von seinem Fenster aus kann er sehen, wo Fort Victoria und Radio CAE einst lagen. Etwas wehmütig erinnert er sich an die schöne Zeit, als er täglich mit dem Fahrrad zum Sender und nachts wieder nach Hause fuhr.

Noch heute hat er guten Kontakt zu Texas Heinz Gunnesson und Ted Wood, und in seiner Sammlung finden sich etliche Zeitungsausschnitte, Photos, Tonbänder und andere Utensilien von CAE, die er uns gern zur Auswertung überließ. Louie The BearMit seiner Hilfe entstand auch der ursprüngliche Grundriss des Funkhauses, der nach dem Abzug der Kanadier von der Britischen Armee für ihre Zwecke verändert worden war. Louie weiß zu erzählen, dass es bei den Briten, die ab 1971 Fort Victoria übernahmen, längst nicht so freundlich und locker zuging, wie bei den Kanadiern. Man gestatte ihm später z.B. nicht mehr das Betreten des Geländes und des ehemaligen Funkhauses, in dem er so lange beschäftigt und "zuhause" gewesen war.

Durch die Mitarbeit im CAE-Research-Team wurde für ihn die Vergangenheit in großen Teilen wieder lebendig und er hofft mit uns, bald weitere Details und Fakten zu entdecken, die das Mosaik der "Great Little Station" weiter vervollständigen.

Bild: (Ludwig und Anneliese Ruhs, Dezember 2001 in Werl)

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