"Texas" Heinz Gunnesson erinnert sich…

Im September 2001 trafen wir uns mit einem der vier ehemaligen Techniker von Radio CAE. Ebenfalls anwesend waren auch „english speaking" Dieter Gripp und weitere frühere Mitarbeiter des BFBS. Hier die Zusammenfassung des Treffens:
 

Heinz Gunnesson ist schwedischer Abstammung und heute 74 Jahre. Sein Herz schlägt nach wie vor für Radio CAE und man kann getrost behaupten, dass dieser Mann eine lebende Legende der Rundfunkgeschichte ist. Er war bis zum Ende des Senders in Fort Victoria tätig und bediente neben der Studiotechnik auch die beiden Kinos in Camp 6 und 7.Tex

Seinen Spitznamen „Texas" bekam er, da er schon immer großer Liebhaber der Countrymusik war. Er besitzt eine umfangreiche Sammlung von Schellacks und Platten namhafter C&W Stars aus der alten Zeit, von denen er einige wie z.B. Marty Robbins oder Hank Snow sogar persönlich kannte. Er erinnert sich gerne an die aufkommende C&W-Szene der 60'er in Germany, so z.B. an ein solches Konzert in Iserlohn, das an Originalität und Stil absolut nichts zu wünschen übrig ließ.

Bei Radio CAE war „Tex" u.a. für die Nachrichtensendungen verantwortlich. Diese wurden direkt von der CBC in Montreal über den Kurzwellensender Sackville abgestrahlt und per Richtantenne mittels eines Telefunken-Empfängers mit den Ausmaßen einer Telefonzelle in Fort Victoria empfangen. „Tex" mußte die aktuellen Meldungen auf Band mitschneiden und sie dann für die „News" von CAE zusammenstellen. Bei dieser Gelegenheit, so erzählt er, habe er z.B. als erster in Europa vom Attentat auf Präsident Kennedy erfahren, diese Nachricht umgehend weitergeleitet und wurde deswegen sogar befördert.

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Der 250 Watt FM-Röhrensender von Radio CAE war von Rohde & Schwarz in München gefertigt, einer Firma, die in Deutschland neben Marconi noch heute den überwiegenden Teil der Großsendeanlagen herstellt. Anfangs gab es erhebliche Schwierigkeiten mit der Stabilität, es fehlte ein Manual und die Sendefrequenz „driftete" überall hin, nur nicht auf die vorgegebene Wellenlänge. Schließlich gelang es aber doch, eine Stabilisierungsdiode im Oszillatorkreis ausfindig zu machen, auszutauschen und damit das Problem zu beheben.

Das Schicksal des Sendemasts (100 m hoch, 20 Tonnen schwer) hing sogar einmal „am seidenen Faden". Unmittelbar nach seiner Errichtung im Jahre 1956, als er noch nicht vollständig befestigt war, gab es einen so schweren Orkan, dass alle befürchteten, er würde umfallen. Er bestand jedoch diese „Feuertaufe" mit nur geringen Schäden. Dass Radio CAE zeitlebens mit 250 Watt sendete, ist auch „Tex" zu verdanken, denn einige Zeit nach der Inbetriebnahme wurde er von einem General gefragt, ob die Sendeleistung eigentlich ausreiche. „Tex" antwortete, er sei in Iserlohn und Hemer gewesen und habe dort CAE bestens empfangen können. Für den „Notfall" stand in Fort Victoria übrigens immer ein zweiter Sender mit 3000 Watt (!) bereit. Damit hätte man CAE fast in ganz NRW und bis nach Holland hinein empfangen können. Er ging jedoch leider niemals „on the air".

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Die Station verfügte auch über zwei eigene Ü-Wagen. Diese ermöglichten eine direkte Übertragung von Orten aktuellen Geschehens, z.B. beim Besuch der Queen in Werl, sportlichen „Events" oder auch für die sehr beliebte Pop-Sendung „Teentime", die jeden Samstag abend um 21.oo Uhr von Jugendlichen aus den Brigades in Werl, Soest oder Hemer live gestaltet wurde.

Die letzten vier Stunden von Radio CAE erlebte „Tex" nicht in der Station mit, da er mit anderen Mitarbeitern zu diesem Zeitpunkt in Soest offiziell verabschiedet wurde. Doch um Mitternacht war er dann derjenige, der den „roten Knopf" betätigte um Radio CAE für immer abzuschalten. Später ging er zunächst zum BFBS nach Köln und wurde schließlich zum BFBS-Studio Berlin versetzt. Mit seinen enormen Kenntnisse im C&W Bereich und seiner Schallplattensammlung half er, wo er konnte, z.B. Ingo „Marty" Wollgass bei dessen Sendungen. Beim BFBS lernte er auch „english speaking" Dieter Gripp kennen, mit dem ihn noch heute tiefe Freundschaft verbindet.

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